Man liebt es – oder, man hasst es… Das Brauchtum um und an Halloween. Ich gehöre eher der zweiten Kategorie an. Kategorie: Halloweenverweigerer.

Aber in diesem Jahr sollte alles anders sein. Meine Durchsetzungskraft bezüglich der Missachtung von Halloween wurde gebrochen, an einem Punkt, der mit meiner Affinität zu guter Küche und kreativem Umgang mit Lebensmitteln zu tun hat.

Da wurde mir die Idee unterbreitet zu einem ’spooky come together‘ eine Kleinigkeit in Form eines Desserts oder dergleichen beizusteuern. Ich hätte verneinen können und meine üblichen Abneigungen vortragen können, aber ich habe mich entschieden mich auf diese neue Erfahrung einzulassen und dieses Jahr Halloween in meinem Kalender zuzulassen.

Nun rückte der Termin näher und ich überlegte, welches Dessert es sein könnte. Farblich sollte es eher düster sein und den Gruselfaktor durfte ich natürlich keinesfalls außer Acht lassen…

Eine schwierige Aufgabe!

Und dann kam mir die zündende Idee: Vielleicht kennt jemand Anatoli Ljadov?!?

Der Ungar Ljadov hat 1905 eine symphonische Dichtung veröffentlicht. Sein opus 63 beschäftigt sich mit der Figur der Kikimora. Die Kikimora ist die skurile Protagonistin seiner ‚Erzählung‘ und sie verkörpert in Form eines weiblichen Poltergeists das dunkle, unheimliche, vorwiegend unsichtbare und unheilbringende Wesen, das nachts durch Gemäuer streift und Unfrieden stiftet, indem sie Spinnrocken zerstört oder Tiere stiehlt. Sie poltert und verängstigt in ihrer Erscheinung die Bewohner zusehends. Man munkelt der Anblick der Kikimora bringt demjenigen, der sie sieht, lebenslänglich Unglück…

Foto: Kate Jonez via Pinterest
Kikimora

Die Skizzen und Bilder, die die Figur der Kikimora illustrieren, stellen häufig eine hühnerbeinige Kreatur mit Entenschnabel, Kopftuch und hagerer Gestalt in einem eher lappigen Kostüm dar. Heutzutage vielleicht nicht mehr der ultimative Gruselschocker zu Halloween, dennoch mein perfekter Einstieg in’s Thema.

Während ich also den Tönen Ljadovs lauschte, kam mir die Idee zu meiner black spooky Kikimora swiss roll, indem ich überlegte, welches Dessert wirklich gerne gegessen wird und welche Farben an Halloween unverzichtbar wären. Da mein Zugang zur Nachspeise ja eine europäische Initialisierung via Ljadov und seiner Kikimora vollzog, und nicht, wie sonst üblich, amerikanische Anleihen eines komplex aufgebauschten Industriezweigs ausschlaggebend waren, fiel meine Basisentscheidung zugunsten einer swiss roll-einer Biskuitrolle.

Diese luftige Masse, die abgebacken eine so softe, süße Liebeserklärung an den Biskuit ist bildet die Grundlage meiner Kikimora. Um sie spooky und halloweentauglich zu gestalten, hat der Biskuitteig eine schwarze Färbung erhalten. Bei der Füllung, einer klassischen Vanillesahne hat rote Lebensmittelfarbe geholfen, den gewünschten gruseligen Gegenpol zum schwarzen Teig herzustellen, in die Abschnitte von sauren Haribo Spaghetti untergehoben werden. Das ausführliche Rezept für die swiss roll bekommt Ihr hier in den nächsten Tagen nachgereicht…das Bild aber jetzt schon:

Black spooky Kikimora swiss roll

Die Geschmacksknospen treffen bei der Kikimora also auf eine süße, leicht saure, vor allem aber saftige Gesamtkomposition, die ausdekoriert mit ‚ekeligem Plastikgetier'(wie schwarzen Spinnen, Mäusen oder Fledermäusen) zur Geisterstunde im Schein vieler Kerzen und mit der untermalenden Musik von Ljadov serviert, die Phantasie der kleinen und großen Naschkatzen zu beeinflussen weiß und auf einmal kann man sich vielleicht doch vorstellen, dass irgendwann und irgendwo in dunklen Nächten eine hühnerbeinige, schrullige, entengesichtige Figur ihr Unwesen treibt…BOOOOOO!

In diesem Sinne ein spooky happy halloween…

Eure Lilleby

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