Mmmmmmmh… wie verführerisch das duftet…

Hurra – die Zeit der köstlichen Verlockungen ist angebrochen. Zum Ende der Woche sollen die Temperaturen fallen und es wird dringend Zeit für die Winterreifen. Das bedeutet es ist endlich Zeit um sich den süßen Gebäcken und ihren Verwandten zu widmen. Zeit für Dolci…

Der Herbst ist auf seinem Höhepunkt angekommen. Es ist windig, grau und alle Sinne lechzen nach etwas Süßem. Ich bevorzuge mich den italienischen Versuchungen hinzugeben und nach erster Recherche habe ich festgestellt, dass allein das Entziffern der Worte Torrone, sfogliatella oder Panettone erwartungsvolle Sehnsüchte in mir gedeihen lassen. Es ist die Vorfreude auf diese besondere Atmosphäre, im Kerzenschein, begeleitet von untermalender Musik, sich dem Genuß und der Zeit hinzugeben. Aufzutanken, gedankenverloren zu lauschen und den Sinnen nachzuhängen.

Begonnen habe ich heute mit einem vom Bratapfel inspierierten Mus, das es zu einem herrlich lockeren Schaumomelett gab. Da treffen rotbäckige Äpfel auf Marzipan und erste Wintergewürze auf ein schaumiges, softes Omelett, das gefüllt mit ebendiesem Bratapfelmus und einigen gerösteten Pinienkernen sowie Staubzucker eine echte Gaumenschmeichelei darstellt. Wer möchte, darf den Genuß des Bratapfelmus mit Schaumomelett gerne teilen. Hier das Rezept:

Bratapfelmus im Schaumomelett

Für das Bratapfelmus

  • 12-16 geschälte, in Würfel geschnittene Äpfel
  • 200g Marzipanrohmasse
  • ca.300ml Apfelsaft
  • 1/2 TL gemahlene Bourbonvanille
  • 1/2 – 1TL Zimtpulver
  • 50g Pinienkerne
  • etwas Staubzucker

Für das Schaumomelett (8 Stück)

  • 500g Mehl
  • 6 Eier
  • 1l Milch
  • 1TL Backpulver
  • etwas Vanillezucker
  • Butter zum Ausbacken

Aus den angegebenen Zutaten das Bratapfelmus herstellen. Dafür alle Zutaten bis auf Pinienkerne und Staubzucker in einen Topf geben. Die Mischung aufkochen lassen und dann sanft weiterköcheln lassen bis die gewünschte Konsistenz des Apfelmus erreicht ist.

Die Pinienkerne in einer beschichteten Pfanne leicht anrösten; zur Seite stellen.

Für die Omelette die Eier trennen. Eigelbe mit der Milch verquirlen, Backpulver,Vanillezucker und Mehl mischen – die Zutaten vermengen. Die Eiweiße steif schlagen und unterheben und den Teig mindestens 20 Minuten, besser eine halbe Stunde quellen lassen.

Eine große Pfanne mit etwas Butter fetten und Omelette für Omelette abbacken, bis der Teig verbraucht ist. Je ein Omelette mit einem Teil des Bratapfelmus füllen, das Omelett zuklappen und die Oberseite mit den gerösteten Pinienkernen und dem Staubzucker ausdekorieren.

 

In den nächsten Wochen sehe ich es schon vor meinem geistigen Auge. Die Küche ist zugestaubt mit Mehl, es stapeln sich die Bleche mit all den Köstlichkeiten, die in dieser Jahreszeit mindestens einmal gekocht, gebacken und vor allem vernascht werden müssen. Da warten Hexenhäuser, Stollen und Kohlvariationen auf ihren Auftritt. Da stehen Keksklassiker und neue Versuche, Dessert-Must-haves und Eigenkreationen Schlange um auf den Tisch gebracht zu werden.

Einige bewährte Rezepte erhalten erfahrungsgemäß ein Tuning, andere dürfen keinesfalls verändert werden und darüberhinaus schleichen und kreisen in und um meine Gedanken snippets diversester Rezepte, Erfahrungsberichte oder Geschmacksmomente.Ich reiße dann Artikel aus Zeitungen, schreibe mir Ideen oder Anregungen auf und tüftel, in meiner mir eigenen Art, daraus eine neue Kreation.

Im Moment kreisen meine Gedanken um die sfogliatella. Wußtet Ihr, dass dieses wunderbare Gebäck in zweierlei Variation zu finden ist: in Form der sfoglitella riccia und als sfogliatella frolla? Nun, vielleicht hat schon Jemand von Euch beide Gebäcke kosten dürfen… Ein Hochgenuß, oder? Lasst Euch überraschen für welche Variante ich mich entscheiden werde…

Oder liebt Ihr Torrone? Ich weiß gar nicht mehr, wann genau ich das erste Mal diese Köstlichkeit probiert habe, aber ich weiß, dass Torrone in dieser Jahreszeit bei mir unter den Top 3 zu finden ist. Ich bin mit ganzem Herzen dieser Spezialität verfallen, die einige von Euch vielleicht in Blockform eines weißen Schweizer Nougats mit blanchierten Mandelkernen bekannt ist, und die mich verführen darf, wann immer sie mir begegnet…

Last but not least: Panettone. An diesem Hefegbäck scheiden sich die Geister ebenso wie beim Stollen. Wer jetzt aufschreit:“ Iiiihhh, Panettone, wenn ich nur an Orangeat und Zitronat denke, graust es mich schon…“- der sei beruhigt, ich verzichte auf die klassische Herstellung eines Panettone mit Rosinen und eben erwähntem Orangeat und Zitronat. Lasst Euch überraschen von meiner frischen, leichteren Variante…

Ihr habt doch bestimmt auch Gerichte und Gebäcke, die Euch mitnehmen auf die Reise zurück in Momente, Ereignisse und Anekdoten, die allzeit präsent, etwas verschwommen oder verdrängt, aber mit einem Mal und voller Wucht in der Lage sind, Eure Emotion zu fassen. Glück, Trauer und Staunen, frisch verliebt oder frisch verlassen; das erste Weihnachtsessen bei Mama nach dem Auszug in das erste eigene Heim oder das erste Menü als Mutter für die wachsende Familie,…

An welcher Stelle auch immer Ihr emotional anknüpft, es ist der Moment, in dem Gefühle Oberhand über rationale Entscheidungen und Vernunft gewonnen haben. Vielleicht der oder die Momente, in denen die Intuition das Ruder übernimmt und lenkt und wir uns lenken lassen.

Mir geht es in der Küche häufiger so. Ich lasse mich lenken von meiner Leidenschaft zum Kochen. Geschmack erfordert teils absolute Hingabe ebenso wie zurückhaltende Vorsicht. Und oftmals ist es im Leben wie in der Küche das Bauchgefühl, das eine Entscheidung, und in meinem Fall, die Ergebnisse meiner Kochversuche positiv zu beeinflussen weiß. Kreativität fußt einerseits auf der Erkenntnis, erworbenes Wissen anwenden zu können, aber vielmehr noch auf jener Erkenntnis, darüberhinaus bereit zu sein ,sich mit den unbekannten, neuen, herausfordernden Anteilen einer Erfahrung auseinanderzusetzen. Ich appeliere für mehr Mut in Küchen, auf Bühnen, vielleicht auch zu den eigenen Gefühlen! Kreativität und Passion in die Wagschale zu werfen formt, fordert und fördert Persönlichkeit. Und diese Erkenntnis führt dazu, das man wächst: Als Koch oder Köchin, als Künstler, als Mensch. Und das schmeckt, hört und sieht und fühlt man!

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine fantastische Zeit in der Küche und am Herd. Probiert, verwerft und fangt von Neuem an… Die zahlreichen, anregenden Rezepte rund um die Dolci dieser Welt werden Euch in der Vorweihnachtszeit sicher um den Finger wickeln …

Frei nach dem Motto: „Lass mich den Hüftgold sein!“…

Bon appetit

Eure Lilleby